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wie schlechter journalismus funktioniert

manche medien werden heutzutage nicht nur gratis angeboten - sie sind auch im inhalt oft an dieses niveau angepasst.
ich bringe hier ein beispiel für schlechten journalismus, der eine leicht erkennbare unwahrheit groß "aufmacht" und nicht vor schamesröte im boden versinkt, was wirklich "unfassbar" ist.

auf der titelseite der kostenlos erhältlichen tageszeitung steht groß zu lesen:

1

da wird also jemand eingesperrt, der jahrzehntelang nicht nur seine tochter eingesperrt hat, und findet binnen weniger wochen 200 brieffreunde. das ist schon eine beachtliche sache. brieffreunde: das sind doch menschen, mit welchen man in regem brieflichem kontakt ist. ein brieffreund ist etwas schönes.
jetzt - so denkt man - hat dieser ganz, ganz böse täter binnen kurzer zeit also 200 brieffreunde gewonnen, sein foto war in den medien zu sehen, seine neue anschrift ist auch bekannt, also gibt es - so meint man - 200 menschen, die binnen weniger wochen brieffreundschaft mit diesem "monster" geschlossen haben.
200 briefe müssen auch beantwortet werden, wenn da wirklich eine brieffreundschaft entstehen soll. also hat herr f. offenbar in den letzten wochen in der zelle viel geschrieben, vielleicht sogar tag und nacht?
aber nein... hat er nicht...

denn:

2

wie sich herausstellt sind von den 200 briefen die meisten "negativen inhalts" - also wohl kaum beantwortet worden bzw. kaum die basis für eine richtige (brief-)freundschaft.
es gibt ein paar "fanbriefe" von damen, aber im preisgünstigsten blatt selbst keinen hinweis auf auch nur eine einzige brieffreundschaft.

eine schlagzeile, hinter der nichts steckt: ausser eine falschmeldung.

p.s.:
unfassbar: es gibt in dieser gratiszeitung auch eine rubrik "leserbriefe".
ob die redaktion allerdings über auch nur einen einzigen brieffreund verfügt, ist nicht bekannt.
walküre - 4. Jun, 10:36

An dieser

Ausgeburt der Journaille ist deutlich erkennbar, dass eine Zeitung gleichzeitig gratis UND umsonst sein kann.

david ramirer - 4. Jun, 10:44

ich würde sogar sagen: gratis UND wertlos :-)
hidden_mask - 5. Jun, 23:12

gottseidank gibt es keine verpflichtung, solchen mist zu lesen.
mir genügen die nachrichten im autoradio am weg zur arbeit - das ist kurz, bündig und informativ.

peziso - 12. Jun, 09:46

nein, meister fritzl UND die red haben keine...

....brieffreunde.
aber es ist bedenklich, dass es schon einige leute gibt (nicht die in dem revolverblatt gelisteten), die diese greueltat auch noch irgendwie gut finden.

und brieffreund klingt doch einfach besser, da kann sich der leser auf niedrigstem geistigen niveau,wohlig gruselnd, vorstellen (wenn überhaupt vorstellungskraft vorhanden ist) wie sich neue fritzls in allen herren ländern tips vom meister holen. (so ala, also nimm nur ytong steine, da hört man nix und die schaltung kriegst beim praktiker um 37 €). daher sollten (ähnlich den zigaretten) solche ausgaben mit schwarz unrahmten kästen gekennzeichnet sein: "dieses zu lesen kann sie völlig verblöden" oder "vom redakteur mühevoll erfunden und als wahrheit verkauft".

und zu der "zeitung" an sich, kann ich nur sagen, einen papageienkäfig damit auszulegen grenzt an tierquälerei!

david ramirer - 12. Jun, 09:55

die redakteure von nahezu allen zeitungen und medien finden auf eine pervers verklausulierte art und weise ereignisse wie 9/11, kampusch und fritzl irgendwie gut: denn derartige taten fördern die auflage enorm, die bei lauem zeug wie fu*ba** **08, wahl in tirol oder flutwellen in burma sich nur gering erhebt.
und die auflage ist das einzige, das für ein medium in unserer gegenwart zählt. moral existiert in diesem geschäft nicht.
Sternenstaub - 15. Jun, 09:17

ich finds nur sternenstaubig schlimm, wenn ich mir Menschen, die ich eigentlich für relativ zurechnungsfähig und auch denkend hielt, plötzlich und völlig unerwartet mit Meldungen aus eben diesem oder dem anderen "SO-gutem-Format-zum-Lesen-habenden" Revolerblatt kommen und die dann auch noch ernst meinen .................

und schade, dass du's zu der Lesung im Feuerstein nicht geschafft hast - war echt toll ;)))))))))))

sternenstaubigen Gruß

david ramirer - 16. Jun, 14:50

ja, schade,

informationen aus zeitungen sollten immer mit vorbehalt betrachtet werden - egal welche zeitung das ist.
nömix - 15. Jun, 09:33

300.000 selbständig erwerbstätige Österreicher
schreiben jährlich eine Einkommensteuererklärung:

Unfassbar: Finanzamt hat 300.000 Brieffreunde!

david ramirer - 16. Jun, 14:50

:-)

tatsächlich unfassbar!

(vielleicht eine info an die gratiszeitung; für die nächste titelstory?)
steppenhund - 18. Jun, 13:05

Als regelmäßigem Leser dieser Zeitschrift, die sogar mitunter Anlass zu Postings gibt (Link erspare ich mir jetzt), bestärkt mich dein Beitrag jetzt dazu, sie noch aufmerksamer zu lesen.
Zu der Geschichte mit der Brieffreundschaft gibt es ja sonst nichts zu erwähnen. Es wurde allerdings in einem anderen Medium aufgegriffen und es wurde auch eine psychologische Studie über Frauen erörtert, die an Herrn K schreiben würden.
Die Zeitung ist für mich ein Muster- und Lehrbeispiel, wie in einem demokratischen Land Leute nicht weniger indoktriniert und gleichgeschaltet werden, wie es früher in kommunistischen Ländern der Fall war. Da werden einerseits die "griffigen" Stories gebracht. Jeder muss sich inhaltlich angesprochen fühlen: nach dem Motto "endlich jemand, der das ausspricht oder niederschreibt." (gestern gab es übrigens zwei SCHULDIGE auf der Titelseite, einen Schiedsrichter und den Team-Trainer) und dazwischen gibt es dann kleine Anspielungen auf die EU-Bonzen, auf die Dummheiten eines EU-Parlaments und ab und zu ein bisschen nicht zu gut versteckten Rassismus.
Manche Meldungen empfinde ich manchmal an der Grenze des Legalen. Aber die Zeitung kostet ja nichts. Ebensowenig haben Flugblätter gekostet, die während des zweiten Weltkriegs vom Himmel geflogen kamen.
Diese Zeitung ist ein Musterbeispiel für Missbrauch durch ein bestimmtes Medium. Einen großen Unterschied zum Blatt der Fellners, welches jetzt auch manchmal kostenlos ausgeteilt wird, kann ich trotzdem nicht erkennen.
Wir haben dann noch eine Kronenzeitung, die zu lesen schon deswegen notwendig ist, um zu erfahren, wie gerade die allgemeine Stimmungslage ist.
Wenn man die Berichtserstattung über die Umstellung in der SPÖ liest, wird einem auffallen, dass das Bild von Gusenbauer in besagter Gratiszeitung große Ähnlichkeit mit den Bildern in der satirischen Zeitschrift MAD hat.
Man kann aber schlussfolgern. Wenn wir (das Volk) solche Blätter lesen, - und ich schließe mich da selbst nicht aus - dann haben wir auch die Regierung, die wir verdienen. Und scheinbar gefallen der Regierung auch die kolportierten Meldungen, denn sonst gäbe es vermutlich schon Möglichkeiten, das Niveau etwas höher zu forcieren.

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