die wahre härte

in der hitze dieser tage, die der jahreszeit durchaus angemessen ist, erinnere ich mich an die hitze vergangener sommer, wo ich manchmal für wenige wochen auf baustellen als elektrikerhelfer arbeiten durfte.

körperliche arbeit ist etwas ehrenvolles. ich erinnere mich - obwohl es nicht mein "lebensberuf " wurde - gerne an diese zeit; an tage in glütender hitze auf dem gelände einer neuen wohnhausanlage im 23. bezirk, wo das materiallager der firma, für die ich tätig war, zwei mal umgesiedelt werden musste. also wurden werkzeuge, drähte, schläuche, rohre und dutzende andere utensilien von kellerraum a in einen ebenerdigen raum b verfrachtet, was einen ganzen tag in anspruch genommen hat; oder es wurden beleuchtungen am dachboden montiert, also plastikrohre und lampen. mittags dann eine pause, eine halbe stunde ruhe in der hitze. erst während dieser arbeit habe ich die erfrischende wirkung einer kleinen glasflasche coca-cola kennengelernt, nämlich die erfrischende wirkung, die dieses getränk dank der werbung in uns aufbaut: der von schweiß bedeckte mensch in der gluthitze, der sich die vom beschlag feuchte flasche greift und sich die dunkle flüssigkeit einverleibt. ganz egal ob das gesund ist oder nicht. die bilder im geist erfrischen dann mehr als das tatsächliche gesöff.

doch das wirklich harte an der arbeit auf baustellen - das fiel mir heute aus gegebenem anlass wieder ein - das ist nicht der enorme lärm, den die bohrer machen, den die kreissägen und fräsen und hämmer veranstalten. es ist nicht die hitze im sommer, die kälte im winter und die schlepperei von material und das beanspruchen der eigenen muskeln um damit sinnvolles zu gestalten.
nein - die wahre härte auf den baustellen ist der unvermeidliche radio, den irgendein arbeiter immer mit hat, der den ganzen tag läuft (bestenfalls auf ö3, schlimmstenfalls auf radio burgenland, ö1? nur im traum), der die baustelle sinnlosest beschallt (weil keiner zuhört!) und jegliches denken zwischen den hammerschlägen, zwischen den bohrvorgängen oder zwischen dem gipsanrühren unmöglich macht.

dieser ständige radiolärmbelästigungswahnsinn - ja, den vermisse ich nicht.
diesen wahnsinn gibt es auch in büros. glücklicherweise nicht in meinem.
twoblog - 30. Jun, 15:14

Bei welcher Temperatur haben Sie das geschrieben?


david ramirer - 30. Jun, 15:40

ca. 25°
twoblog - 30. Jun, 16:02

Daher, aha.
rosenherz - 30. Jun, 17:10

nix daher, aha!
herr twoblog, sie müssten einmal die österreichischen baustellen und die radiosender kennen, die dort den ort beschallen ;-)
david ramirer - 30. Jun, 17:30

herr zweiblock,

alleine schon wegen der baustellen im schönen österreich ist dieses herrliche land einmal eine kulturreise wert!
cheridwen - 30. Jun, 20:39

Ja, genau! Es geht nichts über Baustellen bei 30 Grad im Schatten in Wien!
twoblog - 2. Jul, 10:44

---> Rosenherz

"nix daher, aha!" ---> Spricht man so einen Herrn Twoblog an?
"herr twoblog, sie müssten..." ---> Ich möchte nichts müssen. Ausser sterben, was schon schlimm genug wird.
Kudlmudl (anonym) - 30. Jun, 21:36

musikalische Zwangsbeglückung

ganz abgesehen von dem Gedudel in der Warteschleife am Telefon, selbst wenn es klassisch ist - das KOSTET GELD - geht mir die Berieselung in den Supermärkten schwer auf die Nerven. Manchmal frag ich mich: "Wo bleiben da die Gewerkschaften, das hält ja kein Mensch auf Dauer aus!".
Positiv daran - ICH ertrags nicht sehr lange und bin nach Einkauf laut Programm schnell wieder draußen - das spart Geld.
So hat jede Ding zwei Seiten.

XXXXXXXXXXXXXX Kudlmudl

david ramirer - 30. Jun, 21:41

das ding mit der unzufriedenheit:

es ist ein leider ehernes gesetz des modernen umganges mit menschen: sie dürfen sich nicht zu wohl fühlen, um konsumenten zu bleiben.
das bedeutet, dass die musik im supermarkt keinem gefällt - von den kunden angefangen bis zu den sehr armen menschen, die dort arbeiten müssen.
aber dadurch sind sie permanent unzufrieden und versuchen dann, diese unzufriedenheit mit dem konsum von irgendetwas loszuwerden. das kurbelt dann die wirtschaft weiter an und die erfindet laufend neue, heimtückische methoden, eine leichte unzufriedenheit zu erzeugen, die dann mit konsumgütern wieder scheinbar bekämpft werden kann...
und das rad dreht sich weiter, und weiter...

li grü nach gri la
walküre - 1. Jul, 19:19

Vielleicht

soll das Gedudel in gewisser Weise die fehlende menschliche Ansprache (sowohl auf Baustellen als auch in Geschäften) ersetzen ? Mir ist jedenfalls aufgefallen, dass unsere Küchenmonteure am ersten Arbeitstag einen Radio dabeihatten, der zunächst leise lief (stört mich nicht, die Arbeit erfordert ja einerseits Konzentration, ist andererseits aber streckenweise auch wieder relativ stumpfsinnig). Als die beiden gemerkt haben, dass wir eher freundliche und kommunikative Menschen sind, bei denen schon auch ein gewisser Schmäh rennt, hatte der Radio ausgedient.

david ramirer - 1. Jul, 20:27

interessante beobachtung, die ich irgendwie nachvollziehen kann.
doch wenn es zwei arbeiter sind? - die könnten doch miteinander auch schmäh führen...
walküre - 2. Jul, 10:31

DAS

wiederum ist heikel, denn auf Montage, das heißt mit Kundenkontakt, kann das Schmähführen furchtbar schief gehen. Man glaubt gar nicht, wieviele Menschen es gibt, die sich sofort über dieses Verhalten beschweren würden, weil schließlich sind die Arbeiter zum Arbeiten da und nicht, um eine Doppelconference hinzulegen (auch wenn das eine das andere keineswegs zwingend ausschließt).
twoblog - 2. Jul, 10:46

Was heisst es, "wenn ein Schmäh rennt"? Auf Deutsch?
walküre - 2. Jul, 10:56

Ich

spreche nur Österreichisch, nicht Deutsch.
twoblog - 2. Jul, 11:03

Ja gehns, jetzt übersetzens das!
walküre - 2. Jul, 11:26

Sinngemäß

bedeutet die Formulierung "der Schmäh rennt", dass in einer spontanen Unterhaltung zwischen zwei oder mehreren Menschen eine gelungene Pointe auf die andere folgt.
twoblog - 2. Jul, 11:46

Danke!

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david ramirer - 13. Nov, 14:24
*lol*
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kudlmudl (anonym) - 13. Nov, 01:27
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