das wort kitsch ist die erste und letzte bastion des kritikers, kunstphilosophen, germanisten und kulturwissenschaftlers gegenüber erzeugnissen und elaboraten, die er mit seinem emotionalen apparat nicht aufzunehmen gewillt ist. statt einer ernsthaften betrachtung des gesehenen vernebelt und selbstkastriert er somit seine metaphern und macht es dadurch auf eine perverse art besprechbar ohne etwas darüber zu sagen.
so wird der kritiker selbst zum kitschproduzenten, zum kleinbürger, zu genau dem, das er anzuprangern glaubt.
david ramirer - Freitag, 12. Januar 2007, 10:49
der wähler ist immer der dumme, das war mir schon bewusst; ich habe ja nicht zum ersten mal gewählt.
jedenfalls ist dieser satz: "
Eine vollständige Umsetzung der Wahlversprechen wäre nur möglich gewesen, wenn die SPÖ bei der Wahl eine absolute Mehrheit errungen hätte." schon eine wichtige information für die zukunft. denn das ist selbstverständlich absolut richtig.
wahlversprechen sind wunschträume, utopien, auf die reale welt niemals abbildbare träumereien, nicht ernstzunehmendes gesäusel. auch die ganzen runden tische und diskussionen vor der wahl besagen gar nichts. parteien sind ansammlungen von menschen die menschen vertreten die diese parteien wählen. selbstverständlich lügen politiker, selbstverständlich betrügen politiker, selbstverständlich sind politiker gerne in gut bezahlten positionen an den schalthebeln der macht. denn politiker sind auch nur menschen. glücklicherweise.
david ramirer - Mittwoch, 10. Januar 2007, 11:35
david ramirer - Mittwoch, 10. Januar 2007, 11:33
eine unterschrift, die ein mensch im jahre etwa 26.000 mal zu setzen hat (was in früheren hochburgen der bürokratie, wie dem zentralen meldeamte, durchaus einen mittelwert darstellte), eine solche unterschrift schleift sich aus, das bedeutet sie wird von allem unergonomischen nebensächlichem kram, von allen schikanen befreit und als wahrhafte signatur in die handbewegung eingebrannt.
ähnlich verhält es sich laut meiner beobachtung bei menschen, die im laufe eines jahres das selbe sagen müssen, tausende male, immer und immer wieder. so wie u-bahn-lenker, die kurz vor abfahren des zuges noch sagen sollen und müssen: zug fährt ab!.
denn was statt dessen - als verbale signatur - in wien zu hören ist, klingt meist etwa so:
ZUFÄAP
FÄAT
ZFÄÄAAP
ZUGFÄP
...
ob diese signaturen, ebenso wie die handschriftlichen unterschriftskürzel, sprach-räumliche reduktionen darstellen, die auch ausdruck persönlicher bewegungsmöglichkeit in der sprache sind? oder ist diese versparsamung in der sprache eine rückbewegung in die ursprache selbst, zurück an die quelle der sprache selbst, wo ein UGA UGA schon ausreichte, um zu sagen "hallo, da bin ich, gibts was zu fressen"?
david ramirer - Mittwoch, 10. Januar 2007, 10:41
sich etwas von der politik zu erwarten halte ich für noch gefährlicher, als auf das schicksal zu hoffen, anstatt selbst etwas zu unternehmen.
david ramirer - Dienstag, 9. Januar 2007, 11:09
glücklicherweise unterliegt kunst und kultur keinerlei bürokratischer-zihalistischer grundsätze. es ist keine garantie dafür vorhanden, dass jenes, was in den so genannten "museen" zur begutachtung und kritik gelangt, kulturell bedeutend, ja kunst sein muss. im inneren eines museums gibt der besucher - im idealen fall - seinen gesunden menschenverstand - so er einen besitzt - nicht bei der garderobe zusammen mit dem mantel ab; nein: auch dort ist es möglich, dass er betrogen, belogen und zum narren gehalten wird, die wände des museums trennen die welt rundherum nur scheinbar von einer anderen welt im inneren, die erst dann beginnt, wenn der besucher vor einem kunstwerke steht und es als solches erkennt (und zu erkennen imstande ist). dass solches möglich wird liegt an zwei faktoren: an der qualität des kunstwerkes und am geöffneten geist des besuchers. das museum ist hier oft sogar störend, weil der geist mancher besucher durch die fälschliche annahme, dass in diesen hallen mit sicherheit kunst zu finden sei, benebelt ist wie mit weihrauch.
david ramirer - Dienstag, 9. Januar 2007, 09:31